Mit großer Trauer nimmt die Klöppelwelt Abschied von der Berliner Künstlerin Gabriele Grohmann, die im Januar 2026 im Alter von 90 Jahren verstorben ist.
Unter ihrem Leitmotiv "Mit Fäden malen" schuf sie Werke von besonderer Ausdruckskraft. Sie verlieh der traditionellen Klöppelkunst eine unverwechselbare, zeitgenössische Handschrift.
Seit den späten 1980er-Jahren widmete sich Gabriele Grohmann der komplexen Kunst des Spitzenklöppelns. Nachdem sie die handwerklichen Grundlagen erlernt hatte, entwickelte sie die traditionelle Technik konsequent weiter und prägte deren zeitgenössische Ausrichtung maßgeblich. Sie gilt als eine der wichtigen Wegbereiterinnen für die moderne Klöppelkunst in Deutschland.
Charakteristisch für ihr Werk ist der experimentelle Umgang mit Material und Form. Neben klassischen Fäden verwendete sie auch ungewöhnliche Materialien wie Papier, Draht, Angellitze, Lichtleiter oder Kozo-Fasern und überschritt damit bewusst die Grenzen der Tradition. Inspiration fand sie häufig in der Natur, die sie mit literarischen Motiven - von der griechischen Mythologie bis hin zu Shakespeare und Ernst Jandl verband.
Ein besonderes Anliegen war es ihr, ihre Erfahrungen und gestalterischen Ansätze weiterzugeben. In Kursen, Workshops und Ausstellungen begeisterte sie zahlreiche Menschen für die Klöppelkunst.
2023 widmete das Klöppelmuseum Abenberg ihrem Werk eine umfassende Retrospektive, die ihren inno-vativen Zugang eindrucksvoll sichtbar machte. Gezeigt wurden sowohl freie textile Objekte als auch Entwürfe und Arbeiten aus den Bereichen Mode und Schmuck. Mit Arbeiten wie „Tradition im Zentrum der Moderne" brachte Gabriele Grohmann ihre künstlerische Haltung auf den Punkt: Zeitgenössische Spitze ist für sie ohne die fundierte Auseinandersetzung mit den historischen Techniken nicht denkbar
Gabriele Grohmann hat Fäden verbunden - im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Sie hat das Klöppeln als lebendige, sich wandelnde Kunst verstanden, neue Wege eröffnet und dessen Entwicklung nachhaltig geprägt.
Mit Gabriele Grohmann verliert die Fachwelt eine prägende Persönlichkeit. Ihr Werk und ihr Wirken werden in dankbarer Erinnerung bleiben.
Kerstin Bienert - Klöppelmuseum Abenberg , "die Spitze" 2/2026, S. 5
Über mich
Seit der ersten Begegnung mit „Kreuzen – Drehen“ hatte ich als Spitzenklöpplerin aus Leidenschaft den Wunsch, „mit den Fäden zu malen“, wie Grete Thums es so treffend formuliert hat, und machte es mir zur Aufgabe, Klöppelspitze ein zeitgemäßes Aussehen zu geben. Mein Zugang zu Textilien war durch den Modesalon meiner Mutter geprägt, wo ich bei Anproben und Auslieferungen ein Auge für Passform und Proportion entwickelte.
Klöppeln ließ mich seit der ersten Begegnung nicht mehr los und das Studium dieses einzigartigen Handwerks führte mich zu der Einstellung, dass der Weg zur zeitgemäßen Spitze beim Studium klassischer Techniken beginnt. Mit der Zeit nutzte ich immer mehr ungewöhnliche Materialien, experimentierte mit Angelsehne und Lichtleitern und spielte mit ausgefallenen Möglichkeiten, Spitze in einen neuen Kontext zu stellen, indem ich sie etwa mit Gewebe oder Papierpulpe verband.
Durch solche Variationen entstanden interessante Objekte, Gebrauchsspitze in einzigartigem Aussehen sowie experimentelle Bilder und 3D-Installationen.